In Deutschland leben zwischen 4,4 und 4,7 Mio. Muslime (BAMF, 2015). Damit stellen sie nach Konfessionslosen (ca. 35 Prozent), Katholiken (ca. 28 Prozent) und Protestanten (ca. 26 Prozent) mit ca. 5-6 Prozent die viertgrößte Gruppe in der deutschen Bevölkerung. Gegenwärtig gibt es jedoch nur lediglich 143 Moscheen und 2.600 muslimische Gebetshäuser in Deutschland. Im Gegensatz dazu stehen rund 24.500 katholische und 21.100 evangelische Kirchen. Der Blick auf das Verhältnis Gläubige pro Kirche ist in diesem Zusammenhang interessant. Auf eine katholische Kirche kommen rund 963 Gläubige, auf eine evangelische rund 1.039 Gläubige und auf eine Moschee rund 1.714 Gläubige. Sowohl die Verringerung dieses Verhältnisses als auch die grundsätzliche Zunahme von Muslimen in Deutschland ist in der Zukunft wahrscheinlich. Würde sich die Anzahl der Gläubigen pro Moschee an das Verhältnis der Protestanten in Deutschland annähern, würde sich die Zahl der Moscheen verdoppeln. In Anbetracht der Tatsache, dass Muslime im Schnitt möglicherweise sogar häufiger ein Gebetshaus aufsuchen, könnte sich dieses Verhältnis sogar stärker entwickeln. Die Anzahl von Moscheen und sog. nicht klassischen muslimischen Gebetshäusern wird also aller Voraussicht nach in den kommenden Jahren steigen. Die Gestaltung dieser Entwicklung ist eine zentrale Herausforderung der deutschen Integrationspolitik. Würde man diese Entwicklung privaten Initiativen und signifikant von ausländischen Interessensgruppen finanzierten Vereinen überlassen, wäre eine große Chance für uns vertan.
Deutsche Politiker fordern in regelmäßigen Abständen, dass sich Zugezogene an eine deutsche Leitkultur halten sollten. Allein schon in Bezug auf die Religion ist diese Forderung jedoch fraglich. Müssten Geflüchtete und Migranten sich folglich jeglicher Konfession entziehen? Die Mehrheit der Deutschen ist jedenfalls keiner Religion zugehörig. Wäre es nicht viel sinnvoller von Zugezogenen ein klares Bekenntnis und eine klare Haltung zu unserem Grundgesetzt zu fordern? Zu dem Grundgesetz, in dem in Artikel 4 sowohl die Freiheit des Glaubens als auch deren ungestörte Ausübung garantiert ist? Von Menschen ein Bekenntnis bzw. eine klare Haltung zum Grundgesetz zu fordern, geht in unseren Augen am besten dadurch, dass ihnen im gleichen Zuge auch die Möglichkeit gegeben wird ebendiesen Grundrechten auch zu folgen. Von Deutschland finanzierte, erbaute und begleitete Moscheen wären der richtige Schritt, um Musliminnen und Muslimen das befolgen des Grundgesetzes zu erleichtern. In von Deutschland errichteten Moscheen und an deutschen Universitäten ausgebildete Imame wäre ebenfalls die Priorisierung der deutschen Sprache, die immer zugängliche Begegnungsmöglichkeit und die soziale Betreuung va. von minderjährigen Menschen erleichtert. Eine verbesserte Jugendarbeit ist ein zentraler Schritt zur Verhinderung der Radikalisierung von Minderjährigen. Diese Chance sollte man vermehrt nutzen und nicht unbekannten Vereinen überlassen.
Ein immer wiederkehrendes Argument gegen Migration, va. von Musliminnen und Muslimen, ist die Sorge vor der Bildung von Parallelgesellschaften und rechtsfreien Räumen innerhalb Deutschlands. Bei einem Blick auf diverse Stadtteile in deutschen Großstädten ist dieser Vorwurf zumindest teilweise nachvollziehbar. Wenn jedoch keine öffentlichen repräsentativen Räume zur Verfügung stehen, bleibt gläubigen Musliminnen und Muslimen nur die Möglichkeit Beträume und Moscheen selbst zu finanzieren bzw. auf private Gruppen zurückzugreifen. Ebendiese privaten Vereinigungen dienen jedoch langfristig kaum der Beseitigung des Vorwurfes, dass sich Parallelgesellschaften bilden würden. Ein privater Verein ist in Deutschland nicht verpflichtet öffentliche Treffen durchzuführen und interessierte Mitbürgerinnen und Mitbürger zu Informations- und Begegnungszwecken einzuladen. Obgleich viele Initiativen in den vergangenen Jahrzehnten ebendiese Begegnung gelebt haben und Interessierten Einblicke und Teilnahme ermöglichen, wäre dies unter staatlicher Trägerschaft ständig möglich. Sowohl die örtliche, als auch die sprachliche Konzentration einer Parallelgesellschaft wäre somit erschwert möglich. Eine respektvolle Position in deutschen Innenstädten würde folglich den richtigen Schritt zur nachhaltigen Eingliederung in die deutsche und europäische Gesellschaft erleichtern.
In den Jahren zwischen 2011 und 2015, kamen mit 527.000 Muslimen rund 43 Prozent aus dem Nahen Osten und 72.000 (5,2 Prozent) aus der Türkei. Die Verteilung der Muslime nach Herkunftsregionen hat sich somit in den letzten Jahren signifikant verändert. Aufgrund der grundsätzlichen Heterogenität der islamischen Religion mit ihren vielfältigen Ausprägungen und internen Konflikten, kann mit einem Anstieg von Auseinandersetzungen auch in Europa gerechnet werden. Derartige Diskussionen und Konflikte sollten weder ignoriert werden noch in für den Staat und die Gesellschaft unbeeinflusst bleiben.
Ein fester Bezugsort würde sowohl dem Teil der deutschen Bevölkerung, der dem Islam bzw. Muslimen allgemein ablehnend gegenüberstehen, als auch den knapp 5 Mio. Musliminnen und Muslimen in Deutschland einen Bezugspunkt geben. Ein Ort, an dem Begegnungen, Diskussionen und Proteste stattfinden, ist immer besser als keinen Ort zu haben und die wichtige gesellschaftliche Diskussion gar nicht erst zu führen.